Am 30. Oktober 1989 eröffnete Beat RĂŒtti als alleiniger GrĂŒnder den Velokurier im Gwatt, Thun. PrimĂ€res Ziel war es, den Schritt in die SelbstĂ€ndigkeit zu realisieren und ein eigenes Unternehmen aufzubauen. Der Umweltgedanke stand damals wie heute im Vordergrund: Ein Gegengewicht zur zunehmenden Automobilisierung sollte geschaffen werden.
Thuner Tagblatt, November 1989:«RĂŒtti & Co. Kurierdienst», so heisst der kĂŒrzlich eröffnete Dienstleistungsbetrieb der beiden Thuner Jungunternehmer Beat RĂŒtti & Heinz Graf. Unter der Telefonnummer 033 / 36 33 22 nehmen sie BlitzauftrĂ€ge fĂŒr Kurierdienste entgegen. Der Kurierdienst transportiert fast alles. PlĂ€ne vom Architekt zur Baufirma, Ersatzteile von Firma zu Firma, Zahnprothesen vom Zahntechnischen Labor zum Zahnarzt. AusgerĂŒstet mit einem Velo, mit Transportkisten und einem HandfunkgerĂ€t erfĂŒllt Beat RĂŒtti KurierauftrĂ€ge in Thun und Umgebung. |
Interview im Jupiter-Journal, Juli/August 1990:Schon vor zwei Jahren hatte ich die Absicht dazu, aber er fehlte mir der Mut. Im Herbst 1989 gab ich mir einen Ruck, und zusammen mit einem Partner begann ich auch hier in Thun einen Kurierdienst zu organisieren. Es stellte sich aber bald heraus, das Thun bezĂŒglich Rendite fĂŒr reinen Kurierdienst eine âgefĂ€hrliche Grösseâ darstellt. Die Grundidee war ja, ausschliesslich das Velo einzusetzten. Doch bald mussten wir auch das Auto als Transportmittel einplanen. Dadurch können wir jetzt einen kleinen wirtschaftlichen Erfolg verbuchen. Durch die GrĂŒndung des Verbandes der Schweizer Velokuriere, fanden wir eine Firma, die uns die FahrrĂ€der sponserte. Diese sind aus Leichtmetal, sehr strapazierfĂ€hig, laufen praktisch von allein, so dass ich fast stĂ€ndig bremsen muss. «FrĂŒher oder spĂ€ter möchten wir das normale Auto ganz weglassen und nur noch mit dem Velo oder dem Solarmobil fahren. FĂŒr Fahrten im Radius von 100 km könnte das Solarmobil genĂŒgen. Diese Anschaffung wird erst möglich sein, sobald die Solarmobile gĂŒnstiger und nicht mehr von Atomstrom abhĂ€ngig sind. |
Thuner Tagblatt, November 1999:AnlÀsslich des Zehnjahre-JubilÀum des Velo & Autokurier Thun |
Trotz guter Presse in Radio und Tageszeitungen wurde bis Herbst 1990 die Zeit zum grössten Teil mit AufklÀrungsarbeiten - InfostÀnde betreiben, Rundschreiben versenden und FlugblÀtter verteilen - verbracht.
Berner OberlÀnder, Oktober 1990:Eine der zahlreichen und initiativen Werbemassnahmen |
Thuner Tagblatt, November 1990:Seit gut einem Jahr gibt es den Velokurierdienst. «Die Reaktionen waren bisher durchwegs positiv, aber das Bewusstsein fehlt den Thunern noch», bilanzierte Velokurier Beat RĂŒtti. |
Im Dezember 1990 konnte die Zentrale in das Stadtzentrum verlegt werden und die AuftrÀge verdoppelten sich nahezu. Ab Mai geschah die Sensation: plötzlicher Erfolg, was den Faktor KontinuitÀt untermauerte. Fazit nach anderthalb Jahren: Gewissenhafte Individualisten haben es schwer. Erfreulicherweise rollte es in Thun langsam besser. Ab Dezember konnte eine weitere Stelle geschaffen werden
Berner Zeitung, Dezember 1991:Der Velo & Autokurier Thun kreist im Aufwind: Die drei Leute erhalten heute gut dreimal so viele AuftrÀge wie noch vor einem Jahr. Nur noch 15 Prozent der AuftrÀge werden per Auto erledigt. |
Thuner Tagblatt, Mai 1993:30 000 km haben die Mitarbeiter seither auf dem Fahrrad fĂŒr ihre Kunden abgestrampelt. Ohne einen einzigen Bankkredit haben es die beiden heute geschafft, ihren Kleinbetrieb mit einfachem BĂŒro an der Scheibenstrasse 7 aufrecht zu erhalten. Und so soll es auch bleiben. RĂŒtti und Fuhrer wollen auf eigenen Beinen stehen. |
Nach langem Warten und Planen kann das Leicht-Elektromobil «Twike» als Ersatz fĂŒr das Auto eingesetzt werden. Mit UnterstĂŒtzung des Förderprogrammes fĂŒr Leicht-Elektromobile von Bund und Kanton und einigen Sponsoren lĂ€uft das Pilotprojekte an.
Bund, Januar 1997:Nach dem jahrelangen Kompromiss, anstelle des Velos auf lĂ€ngeren Distanzen das Benzinauto einzusetzen soll jetzt dem Grundsatz eines umweltfreundlichen Kurierdienstes nachgekommen werden. Bis zu 150 km wĂŒrden durchschnittlich pro Tag mit dem neuen GefĂ€hrt zurĂŒckgelegt.â |
Berner Zeitung, 1998:Nach einem Jahr mit dem strombetriebenen Twike, zieht die Firma Velo & Autokurier Thun Bilanz: «Als Kurierfahrzeug ist das Twike fĂŒr KleinstĂ€dte ideal.» |
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Werden allerdings die Amortisation und alle ĂŒbrigen Aufwendungen mitgerechnet, dann ergibt sich bei einem Kleinwagen ein Kilometerpreis von 60 Rappen. Beim Twike dagegen muss mit rund 77 Rappen pro Kilometer gerechnet werden. Das war mitunter ein Grund, warum heute keine Kurier-Twikes mehr in Thun herumkurven. Problematisch waren aber hauptsĂ€chlich die Nickel-Kadmium-Akkus, welche bei entsprechend intensivem Gebrauch jedes Jahr bis anderthalb Jahre ausgewechselt und entsorgt werden mussten. Somit ergab sich letztendlich eine wesentlich schlechtere Ăko-Bilanz als mit einem herkömmlichen Auto erreicht wird.
Heute fahren fĂŒr den Velo & Autokurier Thun acht VelokurierInnen, ein Autokurier, welche vom Telefondienst und der Administration unterstĂŒtzt werden. Pro Jahr werden im Durchschnitt 15'000 AuftrĂ€ge erledigt, wobei ca. 60'000km fĂŒr unsere Kunden zurĂŒck gelegt werden.
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